Tiergestütztes Lernen

Wie der Mensch sind auch viele Tiere soziale Lebewesen, die die Gemeinschaft brauchen. Und in jeder Gemeinschaft bilden sich Regeln heraus, die für ein friedfertiges Miteinander unerlässlich sind. Andere Individuen setzen uns Grenzen und wir müssen lernen, unsere Impulse zu kontrollieren. In diesem Prozess sind Konflikte und aggressives Verhalten natürlich vorprogrammiert. In einer Gesellschaft, in der aber immer weniger Grenzen im Erziehungsprozess gesetzt werden, sind Überforderung, Unsicherheit und Frustration an der Tagesordnung. Häufig genug münden diese Faktoren dann in hilfloser Depression oder impulsiver Aggression.

Hier kommt unser Konzept des Tiergestützten Lernens zum Einsatz: Im gemeinsamen Umgang von Menschen und Tieren werden vielfältige Impulse gegeben, die „Spielregeln“ des sozialen Miteinanders selbstbestimmt zu lernen.  Das Tier fungiert dabei als wertefreier Spiegel unseres Verhaltens, die Selbstwirksamkeit wird leichter erfahrbar. Dies führt zu einer positiven Veränderung der Haltung zu sich selbst, den eigenen Fähigkeiten und den Mitmenschen gegenüber. Mit der Zeit können die Teilnehmer auch im Alltag Situationen besser einschätzen und angemessener reagieren.

Die bei unserer verhaltensbiologischen Förderung eingesetzten Tiere (Hunde, Pferde) verstehen es, ihr menschliches Gegenüber so aufzuschließen, dass individuelle Bedürfnisse und Emotionen direkt aufgedeckt und nicht mehr unterdrückt werden. Dieser Ansatz ermöglicht  erste, aufschlussreiche Beobachtungen.

Anhand der ersten Ergebnisse werden gemeinsam mit den Teilnehmern bzw. dem betreuenden Fachpersonal, individuelle Förderpläne erstellt. Die weitere Förderung zielt darauf, eigene Reaktionen und Verhaltensweisen, aber auch die der anderen  (zwei- und vierbeinigen) Gruppenmitglieder wahrzunehmen und wiederzugeben.

Im Zusammenspiel mit den Tieren können die Teilnehmer in ihrem eigenen Tempo auch Strategien zur Bewältigung von Frust und Fehlern entwickeln. Spielerisch werden Möglichkeiten zur Reaktionskontrolle oder -verzögerung vermittelt und sukzessive die Fähigkeiten zu alternativem Verhalten auch in kritischen Situation ausgebaut.

Wir arbeiten eng mit anderen Fachleuten wie Ärzten, Psychotherapeuten, Erziehern und Heilpädagogen zusammen und haben die Erfahrung aus diesen Bereichen in das Trainingskonzept integriert. Die interaktive Fördermethode orientiert sich an Lerntechniken des sozialen Lernens (Zuwendung/Bestärkung; Modelllernen; Aufbau einer ausdrucksvollen nonverbalen Kommunikation). Da Probleme immer im sozialen Miteinander entstehen, versuchen wir, sie auch hier zu lösen. So arbeiten wir vorwiegend in der Gruppenbetreuung.